• AUF DEN KAIROLOGISCHEN SPUREN VON MERKELS ATOMPOLITIK

    Die Kunst der Politik ist, die richtige „Welle", also jene „kritische Masse" abwarten zu können, mit der sich die vorhandenen Hindernisse überwinden lassen und auf der sich dann wirklich so surfen lässt, wie man eigentlich will. Die Wirkung des Unglücks von Fukushima in Deutschland und die Reaktion von Merkel ist ein gutes Beispiel dafür. Die Bevölkerung ist emotional betroffen, die Atomlobby ist argumentativ geschwächt. Auf einmal funktioniert der Schwenk: Moratorium für 7 AKWs (von denen viele sicher nicht mehr ans Netz gehen werden), auf die Schnelle zwei neue Kommissionen. Natürlich spielen die Landtagswahlen eine gewisse Rolle, da es auch um Machterhaltung geht, aber der Kern liegt woanders, im historischen und geistigen Kairos von Merkel selbst.

    Es erweist sich, dass die Kernkraft nicht so sicher ist wie behauptet. Für die technischen Probleme ist Kommisson 1 zuständig. Es erweist sich ferner, dass das „Volk" längerfristig keine AKWs mehr will. Zu welchem gemeinsamen Willen aber reicht die Kraft? Das ist die Frage für Kommission 2. Die weisesten 14 Vertreter und „Nothelfer" der „Öffentlichkeit" sollen einen möglichst breiten Energiekonsens der Gesellschaft formulieren. Aus beiden soll ein neuer Zielkonsens hervorgehen, zu dem Merkel dann die Realität Schritt für Schritt hinführen will.

    Es gäbe viele andere Wege, wie die Kommentare in den Medien zeigen. Warum also so und nicht anders? Hier ist Merkels Maximumfaktor, ihr Kairos gut zu erkennen. Sie (Jahrgang 1954) gehört zu einer sogenannten „Beziehungsgeneration", in der die Menschen nicht nur Funktion gewisser objektiver Güter sind, sondern diese Güter und die geschichtliche Bewegung zwei zunächst selbstständige Pole des Ganzen sind, die beide ihre volle Kraft erst dann entfalten, wenn sie auf ein Drittes, ein gemeinsames Ziel bezogen sind. In diesem Generationsfeld steht Merkel am Ende der ersten von vier Schichtungen (Jg. 1948/49 bis 1954). Dies bedeutet, dass sie, die „Moderatorin", glaubt, ihr Maximum zu leisten, indem sie für das Handeln eine möglichst große geistige Willensplattform schafft. Irgendetwas in ihr sagt ihr: Je klarer ist, was wir alle gemeinsam wollen, desto größer ist die gesellschaftliche Kraft zur Verwirklichung.

    Das Ergebnis wird in diesem Falle eine Art überparteilicher „Energiekonsens" sein. Wie so etwas, angewandt auf die deutsche Wirklichkeit, aussehen wird, lässt sich gut an der „Erklärung anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge" von 2007 ablesen. „Wir verwirklichen...; wir streben...; wir leben und wirken...; wir wahren... mit der Konsequenz, dass alle Regierungschefs die EU bis 2009 „auf eine erneuerte gemeinsame Grundlage" stellen wollten. Damals beklagten die christlichen Kreise den fehlenden Gottesbezug. „Zufällig" allerdings wurde diese reine Botschaft, dass wir in der EU „zu unserem Glück vereint" sind, an einem 25. März verkündet, dem liturgischen Festtag der Verkündigung der Frohen Botschaft durch den Engel Gabriel an Maria, neun Monate vor Weihnachten. Gut möglich, dass der Energiekonsens nächstes Jahr an Pfingsten besiegelt wird.
    © Dr. Karl Hofmann

     

  • Der welthistorische Kairos von Papst Benedikt XVI.

    Papst Benedikt XVI

    718 Jahre lang wagte es kein Papst mehr zurückzutreten. Warum tat es Benedikt XVI.? Keine akute Krankheit, keine Demenz. Die Rede war nur vom Alter, von nachlassenden Kräften, – das hätte auch für die meisten Vorgänger gegolten. Wenn es aber – vor allem aus Sicht der Kardinäle – keine echten Argumente gab, warum dann? Um welchen letzten großen symbolischen Akt ging es Benedikt? 

    Dazu müssen wir dorthin schauen, wo sich zwischen Input und Output in einem Menschen die Welt nach Kraft und Bedeutung ordnet. An diesem „Ort“ verbindet sich unser Hier und Jetzt mit einer größeren menschlichen Dynamik, die wir gewöhnlich nur ahnen. Dort, an diesem namenlosen „Ort“, den man auch „Seele“ nennen könnte, wird entschieden, was für jeden das „Optimum“ im Ganzen ist. Wir haben viele Namen für unsere Beziehung zu diesem „Ort“, von dem unsere eigentlichen Gewissheiten ausgehen. Immer geht es dabei um Kairos, hier um einen echten historischen Kairos. 

    Was war der historische Kairos, der einem Josef Ratzinger mit dem Jahrgang 1927 mitgegeben war? Auf welche Weise glaubte er, seiner Berufung am besten gerecht zu werden? Gewöhnlich können wir darauf nur antworten, indem wir eine lange Kette von Indizien schmieden, die wir gemäß der eigenen Perspektive auswerten. Der Vorteil des Kairos-Wissens ist: Wir können den inneren Horizont einer Persönlichkeit in seinem Generationsfeld verorten. Das führt uns auch in diesem Falle zu einer schnelleren und sichereren Wertung. 

  • Gesundheit und Burn-out

    Höre ich auf die andern oder höre ich auf meine Stimme?

    Wie gesund ist die Zeit, an der Sie sich orientieren? Vielleicht kennen Sie auch Menschen, die immer kränklich wirken und doch Unglaubliches leisten können. Ihre Zeit ist mit einer besonderen Energie erfüllt.

  • Neuerscheinung 2018: Mensch 5.0

    Mensch 5.0 amazon

    Sieg, Manfred/Hofmann, Karl:

    Mensch 5.0. Wie Sie mit Kairos die Herausforderung der Zukunft bewältigen

     Schwerte 2018

    Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind keine Sache weniger Spezialisten und Unternehmen. Sie betreffen uns alle. Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass wir eine neue technologische Entwicklungsstufe erreicht haben, die plakativ mit Industrie 4.0 umschrieben wird. Von überall her tönt die Botschaft: alle haben sich dieser neuen Entwicklung anzupassen. Man spricht von HR 4.0 oder Arbeit 4.0.

    Vielen klingt das bedrohlich in den Ohren.

    Werden wir zu gläsernen Menschen?

    Werden wir zur Funktion künstlicher Intelligenzen?

    Wissen unsere Apps am Ende vor uns, was wir entscheiden?

    Werden wir nicht nur als Konsumenten, sondern auch als Führungskräfte und Unternehmer entmachtet?

    Für die Autoren dieses Buches gibt es nur eine echte Lösung. Wir müssen zu einem neuen Bewusstsein von uns selbst und unserem Wirken vorstoßen: Mensch 5.0.

    Der Kern dieses Bewusstseins ist ein tieferes Verständnis von Kairos, der bedeutungsvollen menschlichen Zeitdynamik. Sein Nutzen liegt in einer zukunftsorientierten Unternehmens-, Mitarbeiter-und Selbstführung. Sie folgt dem Maß der geschichtlichen Kräfte des Menschen.

     Hardcover: 29,70 €

    Kindle-ebook: 18,99 €

    Zu bestellen unter Books on Demand oder jedem anderen online-Dienstleister

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    Bisherige Erscheinungen zur Kairologie

     

    Hofmann, Karl:

    Karlskult in neuer Perspektive. Phantomzeitthese und historische Kairologie,

    in: ZEITENSPRÜNGE 3/2010, 705-733 (Mantis-Verlag)

    INHALT: Knappe Vorstellung des kairologischen Modells und praktische Anwendung auf die Analogie zwischen der zeitlichen Entwicklung des mittelalterlichen Karlskults und der modernen Europa-Idee.

     

    Hofmann, Karl:

    Eine katholische Generation zwischen Kirche und Welt. Studien zur Sturmschar des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands.

    Augsburg: Wißner 2. Aufl. 1993 

    (Augsburg, Univ., Diss., 1992)

    Bestellung über Institut für Kairologie (Restexemplare)

    Sonderpreis: 20 Euro (statt 45.-)

    Inhalt: Historische Grundlegung des kairologischen Modells

     

    Hofmann, Karl:

    Einheit der Gegensätze. Ungewöhnliche Betrachtungen eines Kardinals.

    München 1982 (vergriffen)

     

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