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Seltsam, wie wir stets das aktuell Beste auch für das Höchstmögliche halten. Wem ist etwa schon einmal aufgefallen, dass man, um ins Internet zu kommen, irgendein Gerät braucht, das einem Zugang zu Informationen, Bildern, Gesprächen, Musik  verschafft? Wir antworten dann vielleicht: ohne ein solches Gerät geht es doch nicht.

Gegenfrage: Ist das schon wirklich unserem Geist gemäß? Er ist immer noch in der Lage, ohne alle Hilfsmittel sich Fantasiegeschichten, Gespräche mit sich selbst, Bilder, Musikstücke zu  produzieren. Vollkommen wird unsere Technologie erst sein, wenn ihr das auch gelingt.

Und in der Tat: Man arbeitet zum Beispiel im Silicon Valley intensiv daran. Man nennt das „augmented reality“. Da wird mit Hologrammen alles, was sich sonst auf einem Computerbildschirm abspielt, in den dreidimensionalen Raum projiziert. So wird man Teil des Bildschirms. Ein Journalist der Süddeutschen Zeitung hat das miterlebt und berichtet:

„Die Vorführung beginnt. Zehn Fenster schweben im Raum. Ganz wie im World Wide Web, nur dass sie eben wie Geister vor einem auftauchen. Greift man diese Browserfenster aus Licht, signalisiert ein Blinken, dass man das Fenster „angefasst“ hat. Der Versuch zeigt eine Wikipediaseite über Anatomie. Man kann sie zu sich heranziehen. Schrift und Bilder werden immer deutlicher. Dann greift man sich das Bild eines Anatomiemodells, zieht es aus der Seite, das Bild zerlegt sich und wie in einem Lehrbuch fächert sich der Körper nun auf – Skelett, Muskeln, Adern, Hautschichten... Dann klingelt es. Ein Anruf. Ein Techniker von Meta steht als Hologramm vor einem. Man darf sich das wirklich so vorstellen wie in der „Star Wars“-Szene, in der Prinzessin Leia ihrem Bruder Luke Skywalker als Hologramm erscheint. Der Techniker unterhält sich mit einem...“ (Süddeutsche Zeitung v. 7.3.2017,1)

Das zeigt: auf der Startup-Ebene ist man der Vollendung technologischer Kunstfertigkeit schon sehr nahe. Erst zweimal in der Geschichte war man auf einem ähnlichen Niveau. Einmal um das Jahr 1230. So steht zum Beispiel der Naumburger Meister nahezu perfekt für den Illusionismus des 13. Jahrhunderts. Er vermochte das Transzendente, die bei Gott angekommenen Heiligen oder biblischen Gestalten, so realistisch darzustellen, dass der Betrachter meinen konnte, er sehe mit seinen natürlichen Augen den Himmel offen. Die Welt übersteigende vierte Dimension des Geistes erschien als dreidimensionale Welt. Das war damals genauso faszinierend wie heute die oben beschriebene „augmented reality“.

Auf einer entsprechenden Höhe bewegte sich auch der Illusionismus des 17. Jahrhunderts ab ca. 1620. So entwickelte zum Beispiel ein Velazquez eine Technik der Darstellung menschlicher Persönlichkeiten und Emotionen, die einem unmittelbar Herz und Sinne bewegte. Die Maltechnik überwand das Bewusstsein mit all seinem Wissen und Denken und schuf unmittelbare Betroffenheit des Glaubens. Bis dahin hatte die innere Hingabe immer noch vorausgesetzt, dass man auch wusste, um was es ging. Wie konnte aber jetzt noch jemand an der Realität des Heiligen zweifeln, wenn ihm allein beim Anblick des Bildes schon die Tränen flossen oder sich Schmerz, Freude, Trauer einstellten!

Wenn dem nun aber so ist, dass wir uns bereits auf der dritten Ebene des okzidentalen Illusionismus befinden, dann sollte sich doch auch erklären lassen, wie es weitergeht. In der Tat, das ist möglich. Allerdings nicht ohne ein gewisses kairologisches Verständnis.

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