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Klemens Kalverkamp, der Geschäftsführer des deutschen Weltmarktführers für Geräte zum Anbau von Kartoffeln, brauchte 15 Jahre, bis er begriffen hatte, „dass gute Stimmung im Unternehmen der wesentliche Erfolgsfaktor“ und eine vertrauensvolle Umgebung wesentlich sei, um Kreativität und Entscheidungsfähigkeit „maximal nutzen zu können“.

„Um zu den besten technischen Innovationen zu kommen,“ sagt er, „ braucht es das richtige Betriebsklima.“ Und: „Nur wer das Innovationspotential aus allen technischen Disziplinen und das Prozesspotential hebt, hat die Chance, morgen vorne dabei zu sein.“

Es genügt für Führungskräfte also nicht, Hiobsbotschaften zu verarbeiten, Engpässe zu überwinden, Minimumfaktoren zu erkennen. Wer nur das bewältigt, was nicht wie geschmiert läuft, wird nicht Weltmarktführer – so wenig einer zum Heiligen wird, der nur Gebote befolgt und möglichst wenige Fehler macht.

Wer nicht schlecht ist, ist noch lange nicht gut. Was aber ist die Quelle dafür, aus der kreative Stimmung und richtiges Betriebsklima entsteht? Die Wahrnehmung dessen, was im Hier und Jetzt bedeutsam ist. Man könnte auch sagen: ein Kairosbewusstsein. Kairos, schon für die alten Griechen der Gott der rechten Zeit, ist das Maß für das Optimum der Gegenwart. Jeder aber hat einen etwas anderen Kairos. Denn er steht energetisch in einer etwas anderen Beziehung als andere zu sich und der Welt. Und so nimmt er für sich das Optimum jederzeit etwas anders wahr als andere.

Diese Differenzen zeigen sich im unterschiedlichen Verstehen von Situationen, Begriffen, Aufträgen. Auch bei klarster Kenntnislage und bestem Willen bildet für jeden die Trias Fühlen – Denken – Handeln eine andere Konstellation. Wird dieses je Eigene in seiner schöpferischen Kraft erkannt, anerkannt und genutzt, wirkt es kreativ. Wer dieses Miteinander-in-Beziehung-sein ignoriert oder gar bekämpft, greift gleichsam die Seele des Unternehmens an. Mitarbeiter verschließen sich wie Zellen bei Kälte, entwickeln negative, bisweilen gar kriminelle Energien.

Kairos enthält den Maximumfaktor für alle Beteiligten. Er hat zunächst nichts mit Kompetenz und Charakter zu tun. Er geht vielmehr aus unserer Beziehung zu der Dynamik des Ganzen hervor. Diese Dynamik wiederum ist nichts Abstraktes, kein Konstrukt. Sie ist bloß anders als unsere Vorstellungen, vergleichbar einem Computerprozessor.
Sie bezeichnet einen energetischen Prozess, in dem viele „Felder“ zusammenwirken. Das Optimum ist abhängig davon, in welcher persönlichen und sozialen Lebensphase Mann oder Frau sind und wie sie zum kulturellen und historischen Generationsfeld gehören. All diese Kraftfelder wirken zusammen, wie sich in einem Autonavigator die Peilung verschiedener Satelliten konzentriert.

Wie sehen solche menschlichen „Felder“ aus? Sie haben, wie jedes Energiefeld, zwei Pole. Der eine kommt aus dem menschlichen Geist und bildet Einheitsmuster, der andere aus der Evolution und entwickelt eine Harmonie von Schwingungen. Erst wenn der Wandel geistiger Muster mit der Dynamik der entsprechenden Lebensrhythmen korrespondiert, entfaltet ein menschliches „Kreativfeld“ seine volle Kraft. Solche „Kreativfelder“ begründen das größtmögliche menschliche Potenzial.

Das Besondere an diesem Potenzial ist, dass es seine tiefste Kraft aus dem In-Beziehung-Sein zum Ganzen schöpft. Ein Kairos besitzt eine eigene geschichtliche Vernunft. Wer sich auf ihn einlässt, bejaht zugleich seine Grenzen. Bäume wachsen nicht in den Himmel. Eine Binsenweisheit, die auch für jedes Unternehmen und jeden Mitarbeiter gilt. Wer sich auf den eigenen Kairos konzentriert, vernimmt, wo für ihn und das Unternehmen die Grenze sinnvoller Kraftentfaltung ist. Wer auf die eigenen Entfaltungsgrenzen nicht achtet, stattdessen fremden Mustern folgt und die rechte Zeit zu Aufbruch und Begrenzung ignoriert, der verliert an Energie, Kreativität, Durchhaltekraft, Begeisterung. Daher ist es so wichtig, um die Dimensionen des eigenen Brunnens zu wissen.

Wie ist der Kairos zu erkennen? Immer wieder gibt es überragende Führungskräfte, die intuitiv, fast spielerisch auf seiner Dynamik surfen und immer wieder zur rechten Zeit das Rechte tun – wie es immer wieder einen Wilhelm Tell gibt, der zielsicher den Apfel auf dem Kopf seines Sohnes trifft. Aber je größer die Komplexität moderner Wirtschaft wird, desto mehr muss dieser Maximumfaktor auch systematisch erschlossen werden. Das kann auf vielen Wegen geschehen. Es ist vor allem wichtig, zu kommunizieren, angemessene Beziehungsstrukturen zu schaffen, jeden Einzelnen individuell wertzuschätzen und zur Entfaltung zu bringen, wozu er fähig ist. All dem aber geht logisch etwas voraus: das Wissen um die Existenz und Bedeutung von menschlichen Kreativfeldern.

Mobbing, Burnout, Kündigungen, Nachlässigkeiten, innere Emigration sind oftmals Symptome einer schwerwiegenden Differenz zwischen dem Potenzial der vorhandenen Kreativfelder und der Realität im Unternehmen. Umgekehrt ist innovative Kraft und überlegenes Wirtschaften von Weltmarktführern nie bloß Zufall oder Funktion bestimmter Organisationsstrukturen, sondern Zeichen dafür, dass man nah am Maximumfaktor ist.

Wer nichts weiß von der Dynamik des Optimums, wird an den negativen Symptomen herumkurieren, wird durch Versuch und Irrtum allmählich (aber für manche Firma zu spät!) klüger - wie Kalverkamp. Jede Unternehmensführung aber, die die Grundlagen des dynamischen Optimums erkennt, wird versuchen, sich diese neuen Erkenntnisse zunutze zu machen. 15 Jahre hat nicht jeder Zeit.

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