„Make America great again.“ Was Trump mit fast 70 motivierte, sich dem Kampf um die Präsidentschaft zu stellen, war, den Traum für künftige Generationen zu sichern, mit dem er (und mit ihm viele Amerikaner) aufgewachsen sind.

Zu diesem Traum und dieser Tradition gehört auch das Wahlritual, das sich auf vier Transformationsstufen abspielt. Wie jeder miterleben konnte, hat Trump es exzessiv durch- und ausgespielt.

Es begann mit der Stufe der individuellen Bewerbung. Das amerikanische System ist im Prinzip offen für jeden, auch politisch bisher Unbeteiligte. Wer sich bewirbt, muss sich zunächst fragen, ob er die Gesundheit, die geistige und seelische Kraft, die Motivation, die Familienverhältnisse und die finanziellen Ressourcen hat, um diesen Weg zu gehen.

Auf der zweiten Stufe ging es für Trump um die Nominierung durch die Menschen, denen man durch eine gemeinsame Weltsicht und -logik verbunden war. Hier galt es, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und gleichzeitig die Schwächen der anderen Kandidaten geschickt zu präsentieren. Schon vor der Ziellinie gaben alle anderen auf. Mangel an Entschiedenheit, Zuspruch, und Geld lichteten die Reihen.
Es kam zum finalen politischen Ringkampf mit Hillary Clinton. Auf der Seite Clintons standen die Medien, die Finanzwelt, die vom Silicon Valley angeführte Wirtschaft, die Wissenschaft, einschließlich der wissenschaftlichen Wahrsager, also das Establishment. Auf der Seite Trumps stand nicht einmal die eigene Partei, sondern im Wesentlichen die sogenannte schweigende Mehrheit der weißen Männer, die ihn als Sprecher ihrer tieferen Träume und Nöte erlebten. So sehr er mit seiner verbalen und tätlichen Unmoral viele Frauen tief getroffen hat (obwohl ihn schließlich über 40 % von ihnen wählten), so sehr hat er vielen Männern ihre tiefere Befindlichkeit geoffenbart. Eigenartigerweise zeigte es ihnen, dass Trump offenbar authentisch war und er sein persönliches Empfinden höher stellte als die political correctness. Interessanterweise haben ihn sogar fast 30 % der Hispanics gewählt, (die vielleicht als einstige illegale Einwanderer nun selbst gegen weitere Zuwanderer waren). Mit Recht schätzte Trump die Ermittlung der Stimmung des Volkes auf einer rationalen Ebene, wie sie Wissenschaft und Medien betrieben, als Selbsttäuschung ein. Er war sich sicher, dass er die innere Lage besser durchschaut und erfühlt hatte als seine Gegnerin, deren Intellekt und rationale Analyse sie hinderte, das zu erkennen und zum Ausdruck zu bringen, was tiefer als das Bewusstsein lag.

Jetzt hat er die vierte Transformationsstufe erreicht. Der Ringkampf ist zu Ende, die Unterlegene unterwirft sich (in ihrer concession-speech). Clinton erkennt den Sieg des anderen an und fordert ihre Anhänger auf, nun den Sieger zu unterstützen. Umgekehrt gibt der Sieger dem Unterlegenen seine Würde zurück und betont die Verbundenheit. Der Schlagabtausch hat zwar persönliche Wunden geschlagen, aber das System steht darüber. Trump repräsentiert nun nach außen die Einheit Amerikas. Das tut er genauso, wie das amerikanische Wahlsystem vorsieht, dass jeder Bundesstaat nach außen als Einheit auftritt und alle Wahlmänner schließlich dem Sieger gehören (ganz gleich, wie dieser ermittelt wird). Es geht also nach der Wahl nicht auf derselben Ebene weiter. Gerade deshalb ist während des Kampfes fast alles erlaubt, wie beim Wrestling.

Wie macht Trump wahrscheinlich weiter?

Trump bringt manche Aspekte der vierten Schichtung seiner Kairos-Generation (Jahrgänge 1922/23-1948/49) sehr prägnant auf den Punkt. Er hat selbst sehr deutlich gemacht, dass er seine Präsidentschaft als Unternehmensführung betrachtet. Er wird also machen, was seinem Geschäft, der USA, gut tut. Wenn die Rücksicht auf Werte seinen Leuten schadet, kurzfristig oder auf Dauer, dann wird er es nicht tun. In diesem Sinne werden Trump und Merkel sich nicht verstehen. Sie hat nämlich in ihre Gratulation schon eingeflochten, dass man nur sinnvoll miteinander reden könne auf der Basis gewisser universaler Werte, die über dem Nutzen stehen.

Wenn Trump anderen hilft, hat das seinen Preis (NATO, Europa). Sofern amerikanische Firmen dem Land schaden (Apple lässt zum Beispiel in China produzieren), wird er das zu unterbinden suchen und sie nach Möglichkeit zwingen, daran mitzuwirken (Amerikanismus). Das gleiche gilt für die billigen Arbeitskräfte der Mexikaner. Symbolisch steht dafür der Gedanke der Mauer. Trump´s Maß wird immer der konkrete Nutzen für Amerika sein. Sein Glaube ist: Ich bin persönlich so stark, dass ich das durchsetzen kann. Kein Wunder, dass Putin fast der erste Gratulant war. Auch für ihn zählen nur nationale Kräfte, nicht Werte.

Trump wird sicher nicht die befriedigen, für die alles von bestimmten geistigen Werten, einer verständnisvollen Resonanz oder einem klaren politischen Programm abhängt. Die Rechten in Europa jubeln sicher zu früh, die Liberalen sind mehr enttäuscht, als sie es sein müssten. Trump wird insgesamt viel pragmatischer vorgehen, als es viele annehmen.

Zugleich ist er ein erstes großes Zeichen für eine wachsende Spannung zwischen den Trägern eines immer mehr herrschenden rationalen Absolutismus und jenen, die in ihrer Lebensexistenz erfahren, wie sie immer stärker innerlich und äußerlich „abgehängt“ werden. Diese immer konkreter werdende Spannung der nächsten Jahre gilt es wahrzunehmen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

 

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