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In Amerika wählen bekanntlich nicht direkt die Wähler ihren Präsidenten, sondern die „Wahlmänner“. Diese wiederum haben keine Wahl außer ihren Bundestaat zu repräsentieren. Dieser tritt grundsätzlich nach außen als Einheit auf. Wo 51 % einen Kandidaten bevorzugen, gehört der ganze Staat dem Kandidaten.

Das System ist zwar so erst im 18. Jahrhundert konstruiert worden, geht aber im Kern auf Johannes Calvin zurück.

Dieser, Jahrgang 1509, war gleichsam ein verspäteter Reformator. Er begegnete zum Beispiel Luther niemals persönlich.

Sein Ansatz: Glauben kann ich nur, soweit der Geist ihn mir schenkt. Der Geist hat einen grundsätzlichen Vorrang vor dem Glaubensbewusstsein. Der Geist stiftet über den Glauben aber immer einen kraftvolle Einheit der Gemeinschaft. Die Kraft dieser Einheit kann sich nur in der einheitlichen Tat ausdrücken. Wie immer das Bewusstsein dieser Einheit hergestellt wird (Wahlen), das Ergebnis ist dann Ausdruck des Geistes und kann nach außen (USA) nur als Einheit bezeugt werden. Dadurch sind alle Wahlmänner/-frauen determiniert. Sie zusammen kommen zu lassen, ist ein ritueller, fast schon romantischer Akt. Man könnte das Ergebnis auch bloß über den Computer  ermitteln.

Gegenwärtig ringen mit Clinton und Trump erstmals in offensichtlicher Weise die weibliche und männliche Form von politischer Durchsetzungskraft miteinander. Die „weibliche“ Variante sieht sich als Repräsentant eines großen, alle umfassenden WIR, hat sowohl zeitlich (30 Jahre Politik Erfahrung) als auch personell (politische Besuche in 112 Staaten) ein riesiges Netzwerk aufgebaut, das klug und rationell verwaltet wird.
Die „männliche“ Variante versteht sich eher als Repräsentant eines ES (great America), das dazu bestimmt sei, durch seine Überlegenheit an Durchsetzungskraft die Welt politisch zu bestimmen.  Was richtig (und zu sagen) ist, ergibt sich in der Situation. Wer etwas stark genug will, setze sich durch; denn darin erweist sich die göttliche Vorherbestimmung.

Wie das Ringen dieser beiden Repräsentanten am 8. November enden wird, bleibt vorerst offen. Von beiden ist, entgegen der öffentlichen Panikmache, kein radikales,, koste-es,-was-es-wolle-Handeln zu befürchten. Sie sind von ihrem historischen Potenzial her Pragmatiker (1946/1947 = C4b4). Trump würde immer die gegnerische Kraft herausfordern und sich dann entsprechend verhalten. Clinton würde immer über die größere Menge und Qualität der Sachargumente und menschlichen Beziehungen die Sache in ihrem Sinne zu entscheiden versuchen.

Sollte Clinton gewinnen, wird sich bei den Neocons der Stau an Frust und der Wille, mit aller Gewalt das Denken des „alten“ Amerika durchzusetzen, gewaltig erhöhen. Sie müssen dann anerkennen, dass sie aufgrund der demographischen Verschiebungen (Hispanics, schwarze Bevölkerung) auf demokratischem Wege kaum mehr die Möglichkeit haben, ihr traditionelles weißes Überlegenheitsgefühl durchzusetzen. Welche Konsequenzen sie daraus ziehen, ist längerfristig offen.

 

Siehe auch Blog vom 3. Mai 2016: US-Präsidentschaftskandidaten. Kairologische Anmerkungen

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