Ein Außerirdischer trifft zum ersten Mal auf einen Menschen, der eine Tasche trägt. Jeder von uns könnte beim ersten Blick erkennen, ob es sich hier um eine Handtasche, Aktentasche oder eine Schultasche handelt. Wir wissen, ob wir ein Kind oder einen Erwachsenen, einen Mann oder eine Frau vor uns haben. Wir können daher mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Dinge nennen, die sich in der Tasche befinden, wohin der Mensch geht (oder sicher nicht geht). Der Außerirdische sieht dasselbe wie wir, aber er kennt nicht das „System“ Mensch, weiß nicht, was für uns „jung“ und „alt“ heißt, kennt nicht die innere und äußere Beziehungswelt, in der wir mit 10, 40 oder 80 Jahren stehen.
In einem gewissen Sinne erscheinen auch die meisten Vorhersagen für 2012 „außerirdisch“. Die gemeinsame Faktenbasis ist im Prinzip für alle gleich. Nur die Auswahlkriterien werden gewöhnlich aus entgegengesetzten geistigen „Töpfen“ genommen. Die einen setzen das nächste Jahr kausal in Relation zu dem, was bisher lief und entstand. Sie verstehen sich als Repräsentanten wissenschaftlicher Forschung, die kleine und große „Trends hochrechnet“. Die anderen setzen das Jahr 2012 analog in Relation zu Mustern, die sie am „Himmel“, im Mayakalender, in Karten, inneren Bildern oder anderswo erkennen. Beide Seiten verfügen über eine eigene Art von „Objektivität“ – nur die Technik des Erkennens ist verschieden.
Für beide Seiten sind ihre Perspektiven unzweifelhaft richtig - woher aber kommt der geschichtliche „Raum“, von dem aus sie durch das Fenster in die Zukunft schauen? Was fehlt, ist das Wissen um das geschichtliche Beziehungssystem, IN DEM sie denken und argumentieren. Stattdessen wirft man einander Esoterik bzw. Reduktionismus vor. Die einen schwören auf „Ganzheit“, die anderen auf „Rationalität“. Beide Seiten stehen jedes Jahr wieder auf – wie zwei Pole der einen Wirklichkeit „Mensch“, die eben Zugang zu beidem hat.
Die Kairologie interessiert sich für die Dynamik des geschichtlichen Raums, in dem beide Perspektiven sich bewegen. Wie verändert sich das Gesamtpotential seiner Dynamik? Wie führt jeden von uns auf seiner Lebensbahn sein innerer Navigator einen einmaligen Schritt weiter? Inwiefern bricht ein neues Potential auf oder verstärkt sich oder kommt zum Abschluss? Auf welche Weise verschiebt sich die Generationentektonik? Wie verändert sich innerlich das Verhältnis der Völker und Staaten zueinander?
Solche Veränderungen lassen sich nur erkennen, wenn man auch die Relation der mikrohistorischen Räume zu den historischen „Galaxien“ kennt, in denen sich die Gesamtdynamik vollzieht. Erst aus all diesen kleinen und großen Verschiebungen der Kraft- und Musterverhältnisse ergeben sich jene konkreten Wahrscheinlichkeiten, die die maximalen schöpferischen Möglichkeiten des Jahres 2012 enthalten. Wie all dies für die einzelne Biografie, für die Resonanz miteinander, für Unternehmen und Institutionen, für die geschichtliche Entwicklung bedeutsam sein kann, das ist das Thema der Kairologie – auch im nächsten Jahr.
Das Institut für Kairologie wird wieder methodisch daran arbeiten, die Dynamik des neuen Jahres tiefer zu durchdringen als die Außerirdischen. Diese Arbeit ist für uns mehr als ein geistiger Spaß. Für jeden Menschen ist es notwendig, möglichst genau seinen Kairos zu erkennen und danach zu handeln. Es geht um die „Fülle des Lebens“. Und daher haben wir vom Institut für Kairologie für Sie den einen guten Wunsch: Erkennen Sie (auch) 2012 Ihren persönlichen und beruflichen Kairos! Dann wird Ihnen Ihr Jahr gelingen, gleichgültig, was passiert.
In diesem Sinne: Ein gutes Neues Jahr!
Ihr
Dr. Karl Hofmann