Die Kairologie ist kein neues Fachgebiet unter den Humanwissenschaften. Denn sie erforscht jene menschliche Dynamik, die alle betrifft, insbesondere Psychologie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Ihre umfassende Theorie fordert naturgemäß die Fachleute heraus. Wenn jedes kulturell-historische System - wie eine Galaxie - sein spezifisches Urmuster an Weltbeziehung  im gleichen Tempo und mit den analogen Arbeitsschritten vollziehen soll, dann könnte dies zwar viele Fachbereiche wie antike Geschichte, Ägyptologie oder Sinologie neu erhellen, sie aber auch verunsichern. Was bedeutet es wiederum für die historische Anthropologie, wenn die Menschheit vier Transformationsstufen durchlaufen soll? Was hat die historische Relativitätstheorie für Konsequenzen für das Verständnis von Kunstepochen, Wirtschaftszyklen, Generationswechsel? Was lernen wir über den wahren Horizont von Philosophen und Theologen, Religionsstiftern und Ordensgründern? Unüberschaubar ist bisher das Gebiet von Fragen, die auf wissenschaftliche Antworten warten. Und eine ernst zu nehmende Theorie muss sich nach Popper dem Kriterium der Falsifizierbarkeit stellen. Wer sich also unter kairologischen Aspekten mit seinem Fachgebiet auseinandersetzen möchte, ist eingeladen, sich mit dem Institut in Verbindung zu setzen.

Wir forschen auch selbst. Aktuell wird von Studenten der FH Neuulm eine Studie durchgeführt, in der ca. 700 Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft kairologisch untersucht werden. Ziel ist die Entwicklung einer Datenbank, die - analog zum Projekt des human genome - eine Art historical genome abbildet. Dadurch lassen sich individuelle, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Entwicklungen tiefer erfassen und gezielter mit Krisen und Chancen umgehen. 

 

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Erkenne den Kairos! Sonnenuhr an der Kathedrale von Ely aus der Zeit des Humanismus

Die Suche nach der „heiligen Hochzeit", der realen Verbindung zwischen „oben" und „unten", makro- und mikrohistorischer Welt, Glaube und Vernunft, Metaphysik und Physik, Ratio und Evolution hat viele große Forscher und Denker getrieben. Wir nennen hier eine Auswahl wichtiger Wegbereiter der Kairologie seit der Zeit der Aufklärung.

Immanuel Kant (geb. 1724) stellt direkt die historische Aufgabe, die bis zur Kairologie führt:

"Wenn man indessen annehmen darf: dass die Natur selbst im Spiele der menschlichen Freiheit nicht ohne Plan und Endabsicht verfahre, so könnte diese Idee doch wohl brauchbar werden; und ob wir gleich zu kurzsichtig

 sind, den geheimen Mechanism ihrer Veranstaltung zu durchschauen, so dürfte diese Idee uns doch als Leitfaden dienen, ein sonst planloses Aggregat menschlicher Handlungen wenigstens im Großen als ein System darzustellen." I. Kant, Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, in:R. Bubner (Hg.,) Deutscher Idealismus, Bd. 6 (=Geschichte der Philosophie in Text und Darstellung), Stuttgart:reclam 1978, 109.

In der Folgezeit wird von allen Seiten aus dieses „System" der menschlichen Dynamik gesucht und die notwendigen Bausteine für die Errichtung eines umfassenden Geschichtsgebäudes zusammengetragen.

C. G. Jung (geb. 1875) entdeckt das kollektive Unbewusste, Oswald Spengler (geb. 1880) die Hochkulturen als „Pflanzen", Arnold Toynbee (geb. 1889) als „Gesellschaften", José Ortega y Gasset (geb. 1883) stößt auf das zentrale Problem der historischen Generation als „Angel der Geschichte", Wilhelm Pinder (geb. 1878) auf deren ungefähre Länge im Bereich der Malerei, Martin Heidegger (geb. 1889) durchdenkt den Zusammenhang von Sein und Zeit, Romano Guardini (geb. 1885) die personale, Karl Mannheim (geb. 1893) die soziologische Dynamik.

Allerdings fehlt bis ins 20. Jahrhundert hinein für ein rationales Verständnis ein wesentlicher Brückenpfeiler, die Naturwissenschaft. Erst die Erkenntnisse von Kern- und Astrophysik, von Quantenmechanik und Chaosforschung eröffnen den Raum dafür, auch die menschlichen Wege rein von ihrer Dynamik her zu beleuchten.

Erst dadurch „erhielt der humanwissenschaftliche Traum, man könnte vielleicht auch im Bereich der Kultur und Gesellschaft einmal eine mit der von den Physikern gesuchten ´Weltformel´vergleichbare ´Menschenformel´oder ´Lebensformel´finden, neue Virulenz, so der historische Anthropologe Jakob Tanner.
Für die Kairologie ist diese „Menschenformel" das Global Human Timing System.

Dazu heißt es in KAIROS:
“Wie durch das Global Positioning System (GPS) heute über die Erde ein unsichtbares geografisches Netz und durch das Cyberspace über die Welt unserer Informationen ein unsichtbares World Wide Web (WWW) gelegt ist, so bildet das Global Human Timing System (GHTS) das unsichtbare energetische Netz, das allen konkreten menschlichen Beziehungen zugrunde liegt.“ (291).

Ob Völker oder Individuen – alle erfahren es unmittelbar im Kairos.
Die Kairologie aber hat selbst ihren historischen Kairos und damit ihre Zeit lebendiger Bedeutung.

Sie kann erstmals ihren eigenen geschichtlichen Ort bestimmen. (vgl. KAIROS 281-292)

 

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